Freiwilliges und zivilgesellschaftliches Engagement

Seniorinnen und Senioren sind ein nicht zu unterschätzende, wertvolle Ressource für das freiwillige und zivilgesellschaftliche Engagement und damit die Gestaltung des Landkreises. Im Vierten Engagementbericht des BMFSF wird dazu festgehalten: 

"Das Engagement älterer Menschen spielt in einer Gesellschaft des langen Lebens eine zunehmend große Rolle – nicht nur, weil der Anteil von Menschen über 65 Jahren, die sich ehrenamtlich und freiwillig engagieren, stark ansteigt, sondern auch, weil die Zahl der Personen und damit auch die Zahl der Engagierten im höheren Alter stark zunimmt (vgl. Künemund und Vogel 2022). Ältere Menschen sind heute im Schnitt besser gebildet und gesünder als früher geborene Geburtsjahrgänge. Sie sind keineswegs mehr nur Empfänger*innen der Unterstützung durch andere, sondern engagieren sich auch selbst oft für Menschen im höheren Alter. Ältere Menschen engagieren sich nach wie vor stark im geselligen Bereich, aber auch häufiger als früher im sozialen und im politischen Bereich (vgl. Künemund und Vogel 2022). Das Engagement älterer Menschen ist im Bereich des traditionellen Engagements, z. B. in Vereinen und Kirchen, groß, zudem spielt die Selbsthilfe eine zunehmend wichtigere Rolle. Ältere Menschen stellen eine Gruppe dar, die aufgrund des wachsenden Bedarfs von Vereinen und Organisationen an Ehrenamtlichen künftig stärker im Fokus von Engagementförderung, -gewinnung und -beibehaltung stehen wird. Zugleich birgt Engagement selbst für die älteren Menschen viel Potenzial – um etwas Neues zu lernen, soziale Kontakte zu pflegen, als Einsamkeitsprävention nach Übergängen wie dem Übergang in den Ruhestand oder dem Verlust einer Partnerin oder eines Partners und als Sinnstiftung."

Das BMFSFJ veröffentlicht zudem alle fünf Jahre die Ergebnisse des Deutschen Freiwilligensurveys. Im Vergleich von 1999 zu 2019 ist der Anteil der Engagierten über 65 Jahren signifikant gestiegen und lag 2019 bei fast einem Drittel. Dieser starke Anstieg ist erfreulich - zeigt allerdings auch, dass es noch nicht ausgeschöpftes Potential bei älteren Menschen gibt. Gleichzeitig gilt, dass ein Teil des Engagements, wie zum Beispiel informelle Nachbarschaftshilfe, nicht erfasst wird und somit nicht quantifizierbar ist. Wirft man einen Blick auf die Bereiche, in denen sich engagiert wird, so liegt "Sport und Bewegung" auf dem ersten Platz, gefolgt von "Kultur und Musik", "sozialer Bereich" und "Schule und Kindergarten". Der Landessportbund Hessen erhebt regelmäßig die Mitgliederzahlen der einzelnen Sportkreise. Die Altersverteilung in den knapp 300 Sportvereinen im Sportkreis Limburg-Weilburg sieht man auf der folgenden Grafik. Leider lässt sich daraus nicht erkennen, wie viele Menschen ehrenamtlich tätig sind, es zeigt jedoch, dass auch ältere Menschen in Sportvereinen aktiv sind und mit geeigneter Ansprache für ein Ehrenamt gewonnen werden können.

In der Zeitverwendungsforschung wird ermittelt, wie viel Zeit Menschen am Tag für unterschiedliche Aktivitäten aufwenden. Die folgende Tabelle zeigt die durchschnittliche Zeitverwendung von Menschen nach Altersgruppen. Menschen ab 65 Jahren bringen demnach im Altersgruppenvergleich die meiste Zeit für “Ehrenamtliche Tätigkeit, Freiwilligenarbeit, Unterstützung für andere Haushalte, Teilnahme an Versammlungen” auf; knapp 12 Minuten mehr als der Durchschnitt aller Befragten.

Der Neunte Altersbericht der Bundesregierung wirft einen Blick auf das Engagement von Menschen in der zweiten Lebenshälfte und beschäftigt sich mit der Motivation, sich zu engagieren:

In allen Altersgruppen (ab 14 Jahren) ist Spaß an gemeinsamen Aktivitäten die Hauptmotivation für freiwilliges Engagement (Müller, D. & Tesch-Römer 2017). Freiwilliges Engagement ist bis ins hohe Alter zumeist eine selbstbestimmte Tätigkeit. Allerdings verschiebt sich die Motivationsstruktur mit dem Alter: In der Altersgruppe der über 65-Jährigen wurden die Motive, „mit anderen Generationen zusammenkommen“ (72,3 %), „mit anderen Menschen zusammenkommen“ (70,8 %) und die „Gesellschaft mitgestalten“ (63,2 %) häufiger genannt als in jüngeren Altersgruppen (zum Vergleich die entsprechenden Zustimmungsraten für die Altersgruppe der 14- bis 25-Jährigen: 43,4 %, 55,7 % und 47,3 %) (Müller, D. & Tesch-Römer 2017). Bei der Gestaltung von Angeboten für freiwilliges Engagement, die sich an ältere Menschen richten, sollte diese Motivstruktur berücksichtigt werden.

 

Kreisseniorenbeirat

Im Jahre 1995 wurde für den Landkreis Limburg-Weilburg ein Kreisseniorenbeirat eingerichtet. Die Einrichtung eines Kreisseniorenbeirates verfolgt das Ziel, einen aktiven kommunalpolitischen Dialog zwischen Seniorinnen und Senioren und den Einrichtungen im Bereich der Altenhilfe zu fördern. Insbesondere wird angestrebt, dass Senioren ihre besonderen Interessen und Bedürfnisse einbringen, die geeignet sind, die Lebensqualität im Alter zu verbessern.

Der Kreisseniorenbeirat ist die parteiunabhängige, überkonfessionelle und selbständige Interessenvertretung der Bürgerinnen und Bürger, die das 65. Lebensjahr vollendet haben.

Der Kreisseniorenbeirat besteht aus insgesamt 11 Mitgliedern. Der Kreisausschuss sowie der Kreistag können jeweils 2 Mitglieder aus ihrer Mitte für die Dauer der Wahlperiode des Kreistags Limburg-Weilburg berufen. Die Besetzung erfolgt paritätisch mit Frauen und Männern. Die Tätigkeit kann nur von Bürgerinnen und Bürgern wahrgenommen werden, die im Landkreis ihren Wohnsitz haben und hier wahlberechtigt sind. Die Mitglieder des Beirates sind ehrenamtlich tätig.

In den meisten Städten und Gemeinden im Landkreis Limburg-Weilburg hat die Seniorenarbeit inzwischen einen hohen Stellenwert eingenommen. In einigen Gemeinden haben sich auch Generationenhilfevereine gebildet. Näheres erfahren Sie über Ihre Stadt- und Gemeindeverwaltung.

Geschäftsführende Stelle des Beirats in der Kreisverwaltung ist das Sozialamt.

Kontakt:

Stefanie Pütsch | Simone Schlitt


Kreisausschuss des Landkreises
Limburg-Weilburg
Sozialamt
Gartenstraße 1
65549 Limburg
Telefon: 06431 296 523
Fax: 06431 296 449
E-Mail: seniorenbeirat(at)limburg-weilburg.de

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