Zwangsbremsung nach Stromausfall bringt Zug im 1.110 Meter langen Elzer Berg-Tunnel zum Stehen


Limburg-Weilburg. - Zugunglück im Elzer ICE-Tunnel: Kurz nach Mitternacht waren die Rettungskräfte alarmiert worden. Szenario war ein Stromausfall auf der Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt. Der Zugführer leitete eine Vollbremsung ein, bei der zahlreiche der 120 Zugpassagiere schwer verletzt wurden. Zeitgleich zum Anruf eines Reisenden bei der Zentralen Leitstelle des Landkreises Limburg-Weilburg gingen Notrufe bei der Polizei mit dem Hinweis ein: „Stromausfall im Zug“, Zwangsbremsung, Panik im Zug, alles ist verraucht, Reisende schreien um Hilfe“.

450 Einsatzkräfte sind vor Ort: Feuerwehrleute, Rettungssanitäter, Notärzte, Polizisten, Notfallmanager der Bahn und viele mehr. Damit im Ernstfall alles klappt, muss eben geübt werden. Die Großübung wurde auch von Landrat Manfred Michel und dem Ersten Kreisbeigeordneten Helmut Jung mit großem Interesse verfolgt.

Nach dem Rahmeneinsatzplan alarmierte die Zentrale Leitstelle des Landkreises Feuerwehr und Rettungsdienst. Diese fuhren zu den ihnen zugewiesenen Rettungsplätzen an den Tunnelportalen sowie zum Notausstieg. Parallel dazu wurde mittels des Einsatzleitwagens des Landkreises die Technische Einsatzleitung eingerichtet.
 
An der Einsatzübung waren zahlreiche Kräfte beteiligt: Freiwillige Feuerwehren des Landkreises und der Nachbarlandkreise, Atemschutzteams aus dem Rheingau-Taunus-Kreis, Main-Taunus-Kreis, Westerwaldkreis, dem Landkreis Limburg-Weilburg, Sanitäter, Technisches Hilfswerk Limburg und Weilburg, Deutsches Rotes Kreuz Limburg mit Rettungshunde-Staffel, Kreisauskunftsbüro DRK Oberlahn, Malteser Hilfsdienst, Leitende Notärzte, Organisatorische Leiter Rettungsdienst, Deutsche Lebensrettungs-Gesellschaft, Notfallseelsorge, Notfallmanager der Bahn, Polizeipräsidium Westhessen, die Polizei Limburg-Weilburg und Montabaur, die Autobahnpolizei Wiesbaden und Montabaur und die Bundespolizei - insgesamt rund 450 Beteiligte.

Die Einsatzkräfte der Feuerwehr rüsteten sich kurz nach dem Eintreffen mit Atemschutz aus und beluden im Tunnel bereitgestellte Rollpaletten mit Rettungsgeräten. Bevor jedoch mit den Rollpaletten, die auch dem späteren Abtransport der Verletzten dienten, zur Erkundung vorgegangen wurde, musste von den Einsatzkräften noch einmal eine Oberleitungsspannungsprüfung durchgeführt werden. Bei einer Spannung von 15.000 Volt in den Leitungen geht Sicherheit vor Schnelligkeit. Etwa eine halbe Stunde nach Alarmierung hatten sich die ersten Einsatzkräfte ein Bild von der Lage im Tunnel gemacht.

Zur Rettung der Verletzten wurden mobile Strahler in Stellung gebracht, die den Tunnel ausleuchteten und ein sicheres Betreten des Gleiskörpers ermöglichten. Die laut schreienden Verletzten wurden aus den Waggons gehoben und auf die Rollpaletten gelegt. Weitere Einsatzkräfte übernahmen den Transport nach draußen, der im Elzer Berg-Tunnel durch die Steigung von vier Prozent eine besondere Herausforderung darstellte. Am Notausstieg mussten dann noch die knapp 30 Meter hohen Treppen überwunden werden. Alles zusammen ein Kraftakt, der sehr personalintensiv war. Kaum ein Atemschutztrupp schaffte es, mit dem vorhandenen Luftvorrat mehr als einen Verletzten ins Freie zu bringen. Daher werden in einem Ernstfall mit entsprechender Größe Langzeitatemschutzträger aus Wiesbaden und Frankfurt angefordert.
Für den ehemaligen stellvertretenden Kreisbrandinspektor Franz-Josef Sehr, der die Übungsbeobachter durch das Geschehen führte, kommt es bei dieser Übung nicht auf Schnelligkeit an. „Wir wollen vor allem die Zusammenarbeit zwischen den einzelnen Rettungsorganisationen üben und verfeinern.“ Dies klappte zur Zufriedenheit aller Beteiligten, auch der Übungsbeobachter.