Tonnenschwere Stahlskulpturen und federleichte Holzkunst sind seine Welt


Kunst im Einklang mit der Natur: Franz Stähler (links) und Maria Amos stellen Landrat Manfred Michel die Kunstwerke am Mühlenhof in Niederzeuzheim vor. Die Skulpturen an der Straße zwischen Ober- und Niederzeuzheim sind frei zugänglich.

Limburg-Weilburg. - Gegründet hat er seine Kunst auf fest gebrannte alte Backsteine. 1975 begann Franz Stähler damit, diese aus dem heimischen Ton des Westerwaldes im "Kannebäcker Land" gebackenen Steine als Werkstoff für sein künstlerisches Schaffen einzusetzen. Der Mensch hat sie zum Schutz vor der Natur geschaffen. Er liebt diese natürlichen Elemente: die Erde, aus dem sie bestehen; das Feuer, das sie gebrannt hat; Luft und Wasser, die sie mit Sonnenstrahlen und Regengüssen so lebendig verfärbten, wie er sagt. Und es ist ihm die Tatsache wichtig, dass er aus vom Menschen veränderten natürlichen Stoffen wieder etwas Neues erschaffen kann, in dem er den Werkstoff in seiner Substanz erhält, ihn aber unter künstlerischen Gesichtspunkten verändert.

Zum Backstein kam dann die Mooreiche hinzu. Die Eiche, die vom Menschen für Holzkonstruktionen ausgewählt wurde und viele hundert Jahre ihre Aufgabe erfüllte und dann vielleicht durch Betonpfeiler ersetzt wurde. „Dieser Baum interessiert mich als Künstler. Ich möchte mit meiner Arbeit zeigen, dass auch ich nur ein Teil dieser Geschichte bin.

Die Faszination für diese Naturmaterialien hat ihn bis heute nicht losgelassen. Seit 1995 arbeitet er auch mit diversen anderen Materialien, wie Marmor, Stahl und Kunststoff. Viele seine Skulpturen haben ihren Platz im öffentlichen Raum gefunden, beispielsweise in Baden-Baden am Alten Dampfbad, im Stadtpark von Böblingen und der Mathildenhöhe in Darmstadt, im Park La Gironda Bologna, Centro d’arte La Loggia Montefiridolfi, am neuen Hafen von Varazze. 1987 gewann er den begehrten ersten Preis für Keramische Skulptur der Biennale von Faenza.

Er lebt und arbeitet die meiste Zeit des Jahres in Hadamar-Niederzeuzheim und in Italien. Die Liste seiner Ausstellungen ist lang. Seine Werke sind und waren zu sehen in Italien, Frankreich, der Schweiz, Ägypten, Bolivien oder Großbritannien. Natürlich auch in Deutschland: aber hier ist Stähler lange nicht so bekannt und geschätzt wie im Ausland. Das bedauert Landrat Manfred Michel sehr und deshalb möchte er auf den hervorragenden Künstler und auf einige seiner freizugänglichen Landschaftsskulpturen hinweisen. Sie sind in Niederzeuzheim an der alten Brücke über den Elbbach in Richtung Oberzeuzheim zu sehen. „Es ist das  Unerwartete, was man dort mehr oder weniger wahrnehmen kann“, sagt Stähler.

Besonders eindrucksvoll sind historische Amphoren, die er auf bis zu 20 Meter hohe Stelzen stellt oder riesige kugelartige Stahlgeflechte, die zusammengefügt, wie ein riesiges Collier wirken.

Dort auf dem Mühlenhof hat er gleich mehrere Ateliers. Auf der einen Seite bearbeitet er tonnenschwere Stahlkugeln, Ketten, alle möglichen Metallteile, die er von den Schrottplätzen der Umgebung holt. Seine Werkstatt ähnelt der eines Schmieds. Schweißgeräte, Hebekräne, Schleifgeräte, Bohrmaschinen, Hämmer, Zangen. Die Kunstwerke, die hier entstehen, sind ohne Stapler und Kran gar nicht zu bewegen. Auch hier gilt sein künstlerischer Credo: Dem vom Menschen bearbeiteten Naturprodukt Metall eine neue Form, einen vielleicht fremden, noch nicht dagewesenen Inhalt zu geben.

Im Stockwerk darüber finden wir das krasse Gegenteil. Hier feilt, schnitzt, glättet Stähler das Holz von Mooreichen auf filigranste Weise. Seine Skulpturen, die daraus entstehen, sind teilweise nur wenige zehntel Millimeter stark. Wirken zerbrechlich wie Grashalme und bringen nur wenige Gramm auf die Waage. Und doch bergen sie die gleiche Spannung und Illusion in sich, wie seine schwergewichtigen Monumente. Sie alle kommen aus der Vergangenheit, erfahren vom Künstler in der Gegenwart ihre Wandlung und erhalten nun eine neue, nachhaltige Zukunft. Seine Arbeiten entstehen in einem Prozess der Reduktion, sagt Stähler, bei dem natürliche und künstliche Materialien mit ihrer Umgebung interagieren.

Im Sommer/Herbst 2013 sind Werke von ihm in folgenden Ausstellungen zu sehen:

Vom 30. August bis 16. September: Gemeinschaftsausstellung mit Maria Amos in der Villa Böhm, Kunstverein Neustadt Weinstraße.

Vom 3. November bis 21. November: Gemeinschaftsausstellung für Kleinskulptur im Herrenhof Mußbach

Vom November 2013 bis März 2014: Einzelausstellung mit großen Arbeiten von 1980 bis 2013 Fondazion Rossini in Briosco /Milano.

„Zur Aufgabe der Kunst kann ich nur sagen, dass sie ihre Freiheit gefunden hat, nicht eine Olympiade zu sein, die eine Rangliste zum Ziel hat, sondern dem menschlichen Verlangen nachkommt, das wohl mehr oder weniger in allen schlummert. Wo alles und jeder ein Teil eines Ganzen wird, ohne sich darüber bewusst zu sein. Ich für meinen Teil, möchte mich mit meiner Arbeit in diese Aufgabe eingliedern“, stellt der bescheidene Kunstmensch fest.

Landrat Michel freut sich, dass Franz Stähler sein Angebot, im Limburger Kreishaus auszustellen, angenommen hat. Zusammen mit seiner Lebensgefährtin Maria Amos, die ebenfalls künstlerisch tätig ist, wird Stähler im kommenden Jahr im Rahmen von „Kunst im Kreishaus“ seine Skulpturen präsentieren.