Effizienter Einsatz bei großen Schadenslagen


Erster Kreisbeigeordneter Jörg Sauer (Fünfter von rechts) mit den Verantwortlichen und Mitgliedern der Einsatzleitung Rettungsdienst.

Limburg-Weilburg. Seit einem Jahr besitzt der Landkreis Limburg-Weilburg ein MANV-Konzept, das bei einem Massenanfall von Verletzten und Erkrankten unterhalb der Katastrophenschwelle zum Einsatz kommt. Damit können Rettungsdienste in Schadenslagen effizient agieren.
Massenanfälle mit mehreren Verletzten sind für jeden Rettungsdienstbereich eine besondere Herausforderung. Dies zeigte ein Vorfall im September 2017 an der Senckenberg-Schule in Runkel, als zwei Schüler mit Pfefferspray hantierten und dabei 65 Schüler und zwei Lehrer verletzten. Etliche Rettungsdienste waren damals im Einsatz, um die Verletzten zu versorgen. Der Einsatz verlief gut. In der Betrachtung im Nachhinein gab es dennoch einige Faktoren, die hätten besser laufen können. Da es unterhalb der Katastrophenschwelle liegt, die bei 500 beteiligten Personen ausgerufen wird, griffen andere Mechanismen. Doch es zeigte sich, dass bereits auf dieser Stufe eine Verbesserung der Strukturen zu mehr Effizienz führen kann.  
Diese flossen alle in das Konzept für einen Massenanfall von Verletzten (MANV) unterhalb der Katastrophenschwelle ein. „Das MANV-Konzept ist unser Prunkstück“, so Daniel Stenger, Leiter für Grundsatzangelegenheiten und Verwaltung im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung. Patrick Fluck, Holger Rädisch und Dr. Simona Werner haben dieses Konzept gemeinsam erarbeitet und seit einem Jahr findet es Anwendung. Holger Rädisch gab einen Einblick in das Konzept. Die rechtliche Grundlage sieht vor, dass für nicht alltägliche Rettungssituationen Pläne vorhanden sein müssen, nach denen gearbeitet wird. Dies gab den Anstoß, das Konzept zu erarbeiten. Es handelt sich hierbei um ein Einsatzkonzept, das ein einheitliches Vorgehen gewährleistet, um eine Situation möglichst schnell in geordnete Bahnen zu lenken. Durch die Vorplanung soll die anfängliche Chaosphase so kurz wie möglich gehalten werden, der Grundschutz der Bevölkerung schnellstmöglich wiederhergestellt werden und die größtmögliche, individuale Versorgung der Patienten am Einsatzort gewährleistet werden.
Bereits ab einer Schadenslage von vier verletzten Personen kommt das MANV-Konzept zum Einsatz. Dieses Konzept sorgt dafür, dass schnellstmöglich genügend Rettungsmittel zum Einsatz kommen und die Schadenslage zügig abgearbeitet wird. „Wenn viele Patientinnen und Patienten auf wenige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kommen, dann bietet das Konzept Leitlinien, um die Lage schnell und effizient in den Griff zu bekommen“, so Rädisch.
Das Konzept sieht verschiedene Stufen vor, bis zu einer Schadenslage von 1.000 betroffenen Personen, so Daniel Stenger, „was hoffentlich nie passiert“ und wurde eng mit der Leitstelle erarbeitet. Jeder Rettungswagen sowie jedes Notarzteinsatzfahrzeug ist mit MANV-Taschen ausgestattet, in denen die Checklisten und Kennzeichnungswesten enthalten sind, damit eine solche Schadenslage möglichst zügig angegangen werden kann. Neben der Leitstelle sind auch weitere Organisationen wie die Notfallseelsorge und das Kreisauskunftsbüro in dieses Konzept mit eingebunden. Die Einsatzleitung Rettungsdienst besteht aus sechs leitenden Notärzten (LNA), die sich um die medizinische Koordination und die Einteilung der Patientinnen und Patienten vor Ort kümmert, sowie aus acht Organisatorischen Leitern Rettungsdienst (OLRD), die den gesamten Einsatz koordinieren und auch im engen Kontakt mit der Leitstelle stehen. In der Einsatzleitung Rettungsdienst sind Einsatzkräfte des DRK Limburg und Oberlahn sowie von den Maltesern. Sie alle befinden sich in einer 24/7-Bereitschaft und ihr Einsatz ist ehrenamtlich. Dr. Thomas Martin, einer der leitenden Notärzte, wies darauf hin, dass die Strukturen bereits länger im Landkreis vorhanden sind, aber das Konzept mache die gesamte Arbeit effizienter. „Die Schritte bei einer größeren Schadenslage sind bereits vorher bekannt und die Entscheidungen müssen nicht erst vor Ort getroffen werden“, so Martin. Alle Personen der Einsatzleitung Rettungsdienst wurden zwei Tage in dem Konzept geschult und müssen an jährlichen Fortbildungen teilnehmen. Im Rahmen der Vorstellung des Konzeptes ernannte der Erste Kreisbeigeordnete Jörg Sauer mit Florian Kachel einen weiteren OLRD zum Ehrenbeamten. Sauer dankte ebenfalls den Anwesenden für ihren täglichen Einsatz.