Hans-Ludwig Jessl zeigt „Privatansichten“ im Kreishaus in Limburg - Ein schonungsloser Einblick in künstlerisches Können


Der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung (links) und Künstler Hans-Ludwig Jessl vor dem ausgestellten Triptychon im Kreishaus in Limburg.

Limburg-Weilburg. Es kommt sicher nicht allzu häufig vor, dass ein so vielseitiger Künstler einen derart schonungslosen Einblick in sein Können bietet, in sein vielschichtiges Leben mit allen Höhen und Tiefen, seine besonderen Hobbys, seine Erfolge und sein Bestreben, alles mit seiner Familie in Einklang zu bringen. Es war ein spannendes Erlebnis, die einzelnen Lebensphasen von Hans-Ludwig Jessl zu erfahren, der seine Ausstellung „Privatansichten“ derzeit im Kreishaus in Limburg der Öffentlichkeit präsentiert. Man braucht dazu kein Weltenbummler zu sein, auch wenn man nur in Laubuseschbach geboren und aufgewachsen ist und später in Frankfurt sein Berufsleben sowie auch 15 Jahre als Hausmann seinen Job wie eine umsichtige Frau gemeistert hat. Ob als „Luddi“, später „Ludwisch“, „Ludwig“ und nun „Lui“, wie man ihn in Frankfurt nennt, ganz egal, es hat funktioniert. Seine Malereien und auch die Fotografien wurden von den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern während der Vernissage genau unter die Lupe genommen. Der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung ließ es sich nicht nehmen, die Laudatio für seinen Schul- und Jugendfreund „Luddi“ Jessl zu halten. Hierzu waren auch seine Schulkameradinnen und Schulkameraden aus Laubuseschbach erschienen, die sich an Jessls gemalten „Privatansichten“ erfreuten. Seit zwei Jahren bemühte sich Helmut Jung um diese gelungene Präsentation, die mit bemerkenswert gestalteten „Privatansichten“ den treffenden Ausstellungstitel hat.  

Nicht nur Jessls Bilder sind aussagekräftig. Hinzu kommt, dass er nach so langen Jahren, die er in der Großstadt Frankfurt lebt, seiner Heimatsprache, dem „Eschbäscher Platt“, noch so herzlich und liebevoll verbunden ist. Das beeindruckte die schmunzelnden Anwesenden. Wer weiß noch heute, was „Kluusterbiern unn Hannsgetrauwe“ sind und „Ebbes“ (etwas) ist ein Wort, das eigentlich kleingeschrieben wird, doch bei „Ludwisch“ Jessls Gedicht hatte es seine eigene große Bedeutung. Zudem war er „Ebbes“ mit der Musik und dem Nachbau mittelalterlicher Musikinstrumente verbunden. Auch das gehörte zu den zeitlich bedingten und teils beruflichen Ausübungen von Hans-Ludwig Jessl, wie Helmut Jung so anschaulich berichtete.

 

Im Mittelpunkt aber steht sein künstlerisch gestalteter Ein- und Ausblick auf sein Leben: Zahlreiche Selbstportraits, sogar in übergroßer farbiger sowie grober Pixelmanier, die Kirche von Laubuseschbach, Leda mit dem sagenumwobenen Schwan um den Hals, ein Himmelfahrtstag nach Jorge Alfonsos messianischen Verheißungen, die Angst vor der inneren Emigration, dazu ein herausragendes Triptychon aus seiner selbsternannten Lebensmitte und ein Bild mit dem Titel Weltschmerz – alles in Acrylfarben und mit dem Pinsel auf die Leinwand gebracht – regen auch beim Betrachter tiefe Gedankengänge an. Den Portraits seiner Freunde Uschi, Joseffa, Natalia, Harald, Kurt und Luzie stehen fantasievolle Motive, dekoriert mit gebräuchlichen Materialien, die ebenfalls an Jessls „Privatansichten“ erinnern, wie auch seine beachtliche Fotoserie gegenüber. „Ebbes“ für jeden Betrachter ist somit in dieser Präsentation bestimmt dabei.

 

Die Ausstellung „Privatansichten“ von Hans-Ludwig Jessl auf den drei Etagen des Kreishauses in Limburg ist noch bis Mitte April zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.