Gedenktag „Nein zu Gewalt an Frauen“ mit einer großen Aktion in Limburg - Gelbe Luftballons für unsere Kinder


Mit gelben Luftballons warben der Deutsche Kinderschutzbund und ein aus zahlreichen Institutionen und Organisationen bestehendes Aktionsbündnis auf dem Europaplatz in Limburg für Kinderrechte.

Limburg-Weilburg. Der Europaplatz in Limburg war gestern fest in Kinderhand. Zusammen mit dem Deutschen Kinderschutzbund warb ein aus zahlreichen Institutionen und Organisationen bestehendes Aktionsbündnis unter dem Motto „Kinderrechte stärken – Jugendvorsorge verpflichtend“ für Kinderrechte. Unterstützt wurde die Aktion von vielen Kindern, die gelbe Luftballons in den Himmel steigen ließen. Zu diesem Aktionsbündnis gehören das Frauenbüro des Landkreises Limburg-Weilburg, das Frauenbüro der Stadt Limburg, Gegen unseren Willen e.V., die Frauenhaus-Beratungsstelle, Frauen im Evangelischen Dekanat Runkel, Katholische Frauen Deutschlands, pro familia Limburg, das Jugendbildungswerk, der Deutsche Kinderschutzbund, die Jugend- und Drogen-Beratungsstelle, donum vitae, das Referat Mädchen- und Frauenarbeit im Bistum Limburg sowie die Sprach- und Integrationsmittlerin des Landkreises. Anlässlich des Gedenktages „Nein zu Gewalt an Frauen“ nimmt das Bündnis  jedes Jahr mit neuen Aktionen diese wichtige Thematik in den Blick.

„Wir möchten die diesjährige Fahnenaktion nutzen, um auf unsere zweijährige Mädchenkampagne hinzuweisen, die mit einer Petition zu verpflichtenden, bundesweit einheitlichen Vorsorgeuntersuchungen gestartet ist“, betonte die Frauenbeauftragte des Landkreises Limburg-Weilburg, Ute Jungmann-Hauff. Anlässlich des Gedenktages „Nein zu Gewalt an Frauen“ werden im Landkreis Limburg-Weilburg an vielen Rathäusern und öffentlichen Gebäuden die Fahnen „Frei leben“ gehisst. Mit der nun in den nächsten zwei Jahren laufenden Kampagne „Jetzt Mädchen stärken! #esistnichtallesrosarot“ stellt die Frauenorganisation Terre des Femmes den Schutz von Mädchen in den Fokus. Es sind besonders Mädchen, die von Frühehen, Genitalverstümmelung, Mädchenhandel, Zwangsprostitution, Zwangsverheiratung und sexualisierter Gewalt betroffen sind. Daher fordert Terre des Femmes neben Mädchenschutz und Gewaltprävention Aufklärung über die Rechte der Betroffenen und die Schaffung von Aufmerksamkeit für die Situation von gewaltbetroffenen Mädchen. „Im Rahmen von „Jetzt Mädchen stärken! #esistnichtallesrosarot“ werden wir Forderungen an die Politik stellen, um unsere Ziele gesetzlich zu untermauern und voranzutreiben. Diese erste Forderung zur Verbesserung des Mädchenschutzes lautet, bundesweit einheitlich alle Vorsorgeuntersuchungen – bekannt als U-Untersuchungen – zur gesetzlichen Pflicht zu erheben“, teilte das Aktionsbündnis mit.

Kindesmisshandlung und-vernachlässigung sind in Deutschland ein aktuelles Thema. Die Polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) verzeichnet für das Jahr 2016 in Deutschland über 12.000 Ermittlungs- und Strafverfahren, allein nur für sexuellen Kindesmissbrauch. Opfer dieser Straftaten sind zu etwa 75 Prozent Mädchen und 25 Prozent Jungen. „Mit der bundesweiten Verpflichtung der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder kann dem präventiv entgegengewirkt werden. Bei neun von zehn der U-Untersuchungen werden die Genitalien der Kinder untersucht, sodass eine Genitalverstümmelung bei Mädchen frühzeitig erkannt werden kann. Bestenfalls können Misshandlungen (Gewalttaten) erkannt und verhindert werden, da die Eltern wissen, dass die U-Untersuchungen verpflichtend sind“, so das Bündnis weiter. Es besteht ein gesetzlicher Anspruch auf elf kostenlose U-Untersuchungen: die U1 bis U9 und die J1. Die Kosten der Untersuchungen U10 und U11 sowie J2 werden dagegen nicht von allen Krankenkassen getragen. Es ist erkennbar, dass an den späteren U-Untersuchungen U10, U11, J1 und J2 weitaus weniger Kinder teilnehmen als an den frühkindlichen Checks. Das Aktionsbündnis fordert daher verpflichtende U-Untersuchungen U1 bis U11 sowie J1 und J2, die Kostenübernahme aller U-Untersuchungen von allen Krankenkassen, sofortige Schutzmaßnahmen bei Kindesmisshandlungen, Kinderrechtsverletzungen und bei Genitalverstümmelungen, eine umgehende Einleitung von Strafverfolgungsmaßnahmen, wenn eine Straftat vorliegt sowie eine bundesweite Evaluation. Die Petition wird am 15. September 2019 an das Bundesministerium für Gesundheit übergeben.