Der Umweltpreis des Landkreises geht an die Familien Hacker und Laßmann - So funktioniert ein Passivhaus


Monika Stahlheber, Paul Schmidt, Stefan Laßmann, Landrat Manfred Michel, Christina und Christian Hacker und der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung (von links) bei der Verleihung des Umweltpreises 2018.

Limburg-Weilburg. Familie Hacker aus Dietkirchen und die Eheleute Laßmann aus Staffel teilen sich den Umweltpreis des Landkreises Limburg-Weilburg und erhalten jeweils 1400 Euro. Die Ausschreibung hatte sich in diesem Jahr an Bauherren gerichtet, die sich für die nachhaltige und zukunftsweisende Bauweise eines Passivhauses entschieden haben. Landrat Manfred Michel und der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung haben den Umweltpreis 2018 im neuen Verwaltungsgebäude des Abfallwirtschaftsbetriebs (AWB) in Beselich verliehen. Auch dieses Bauwerk wurde in der Passivhausbauweise errichtet. Aus diesem Anlass wird in den Räumen des AWB noch bis zum 8. Januar 2019 eine Ausstellung vom Passivhaus Institut aus Darmstadt zur Passivhausbauweise gezeigt, die von interessierten Bürgerinnen und Bürgern zu den üblichen Öffnungszeiten des AWB besichtigt werden kann. Die dritte Bewerbung um den Umweltpreis von Monika Stahlheber und Paul Schmidt entsprach nicht ganz den Ausschreibungskriterien hinsichtlich der Passivhausbauweise, wurde aber aufgrund der nachhaltigen und ökologischen Bauweise mit einer Anerkennungsprämie von 200 Euro belohnt.

„Die beiden Preisträger des diesjährigen Umweltpreises haben vorgemacht, wie effizientes Bauen funktioniert. Sie haben die Energieeffizienz in ihren Häusern mit erneuerbaren Energien in  Form von Photovoltaik, Solarthermie und Geothermie in Verbindung mit einer Wärmepumpe kombiniert und dadurch die Klimabilanz noch einmal erhöht“, betonte Landrat Manfred Michel während der Preisverleihung. Zusätzlich wird mit einer Zisterne das Regenwasser genutzt, um weitere Ressourcen zu schonen.

„Der Umweltpreis geht auf eine Initiative des Kreistages zurück und ist mit einem Preisgeld in Höhe von 3.000 Euro dotiert. Nur solche Maßnahmen und Aktivitäten finden Berücksichtigung, die freiwillig und uneigennützig erbracht werden. Durch die Prämierung von Passivhäusern soll auf diese energiesparende und zugleich komfortable Bauweise aufmerksam gemacht werden“, erläuterte der Erste Kreisbeigeordnete Helmut Jung, selbst Besitzer eines Hauses in Passivbauweise.

„Viel zu oft wird den Passivhäusern mit Skepsis und Vorurteilen begegnet, vor allem, was das Thema Dämmung und luftdichte Gebäudehülle angeht. Dabei wissen viele nicht, dass gerade diese beiden Faktoren in Kombination mit einer automatischen Lüftungsanlage die Schimmelbildung verhindern und den Wohnkomfort deutlich erhöhen. Eine Lüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung sorgt für kontinuierlich gute Luftqualität, die das Bedürfnis, die Fenster im Winter aufzureißen, verfliegen lässt. Die dreifach verglasten Fenster lassen keine Kälte eindringen und wirken nach Süden ausgerichtet als Sonnenstrahlenfänger, die zusammen mit den Bewohnern des Gebäudes ausreichend Wärme bereitstellen, sodass (fast) keine zusätzliche Heizung notwendig ist. Daher stammt die Bezeichnung Passivhaus: Die Abwärme und Sonnenwärme wird passiv genutzt und nicht aktiv über eine Heizung erzeugt. Der Wärmebedarf wird dadurch auf weniger als 15 Kilowatt pro Quadratmeter Wohnfläche im Jahr reduziert, das entspricht etwa 1,5 Liter Öl oder 1,5 Kubikmeter Erdgas pro Quadratmeter Wohnfläche. Ältere Wohngebäude benötigen im Durchschnitt neun Mal so viel Energie, also etwa 13,5 Liter pro Quadratmeter. Neubauten, die nach den aktuellen gesetzlichen Vorschriften gebaut werden, verbrauchen rund sechs bis zehn Liter Öl je Quadratmeter“, so der Erste Kreisbeigeordnete und Umweltdezernent.

Christina und Christian Hacker erbauten 2008/09 ihr Passivhaus in Holzständerbauweise mit einem Wärmedämmverbundsystem im Außenputz,  Dreifach-Isolierglas-Fenstern und einer Bodenplatte mit Glasschaumschotter aus Recyclingmaterial. Die Lüftungsanlage gewinnt aus der Abluft Wärme zurück. Warmwasser wird mit einer Wärmepumpe und einem Erdwärmetauscher erzeugt. 

In 2010 setzten Katharina und Stefan Laßmann ihre Pläne für ein Passivhaus in die Tat um. Das Massivhaus mit Wärme-Dämm-Verbundsystem und einer Bodenplatte auf extrudiertem Polystyrol wurde an der oberen Geschossdecke mit Holzfaserdämmplatten isoliert. Als Besonderheit statteten sie die dreifach wärmeschutz-verglasten Fenster mit einem an der Leibung und der Fensterbank geschlossenen, gedämmten System und einer Beschattungseinheit aus. Die zusätzlich angebrachten Rollläden haben eine Dämmwirkung im Winter und dienen als Wärmeschutz im Sommer. Spezielle Lamellenrollläden auf der Südseite lassen im Sommer Licht rein und halten die Wärme draußen. Ein Balkon auf der Südseite sorgt durch seine spezielle Winkelform zusätzlich für eine Beschattung der unteren Räume im Sommer. Über die PV-Anlage auf dem Dach wird das Gebäude mit Strom versorgt und die Luft-Luft-Wärmepumpe liefert im Winter Wärme und im Sommer Kühle. Ein Erdwärmetauscher mit 50 Meter langen Soleleitungen zum Vorwärmen der Ansaugluft dient zugleich dem Schutz der Lüftungsanlage vor Vereisung.