Monika Jung stellte ihr neues Buch bei „Literatur im Kreishaus“ vor - Josef Menges: Naturforscher, Ethnologe, Zoologe und Tierhändler


Der Sitzungssaal im Limburger Kreishaus war bei der Buchvorstellung von Monika Jung (ganz rechts im Bild) vollbesetzt. Gespannt lauschte das Publikum den Ausführungen der Autorin über den Limburger Naturforscher, Ethnologen, Zoologen und Tierhändler Josef Menges.

Limburg-Weilburg. „Meine Großmutter hatte eine Löwenkralle von Josef Menges geschenkt bekommen“, erzählte Prof. Dr. Matthias Theodor Kloft am Rande der Buchvorstellung über den in Limburg geborenen Weltreisenden, Forscher, Zoologen und Tierhändler Josef Menges (1850 bis 1910). Geschrieben hat das Buch Monika Jung aus Limburg, die schon mit einigen herausragenden historischen Abhandlungen von sich reden gemacht hat. In der neu gegründeten Reihe „Literatur im Kreishaus“ präsentierte sie ein weiteres spannendes Werk. „Weitere literarische Veranstaltungen im Kreishaus sollen folgen“, erklärte Landrat Manfred Michel.

1870 startete Josef Menges zu seinen ersten Forschungsreisen in den Nordosten Afrikas. Es folgten zahlreiche weiteren Exkursionen, die ihn vor allem nach Abessinien (heute Äthiopien, Eritrea), Somalia und in den Sudan führten. Aber auch Europa, Amerika, Indien und Ceylon (heute Sri Lanka) waren seine Reiseziele. Menges erkundete Land und Leute. Anhand seiner akribischen Aufzeichnungen erstellten bekannte Kartographen Landkarten. Seine zahlreichen Reiseberichte, Beschreibungen der Tier- und Pflanzenwelt wurden in den naturwissenschaftlichen und geographischen Fachzeitschriften publiziert, wodurch er sich einen internationalen Ruf als anerkannter Forscher und Zoologe erwarb.

1876 trat er in den Dienst des bekanntesten deutschen Tierhändlers Carl Hagenbeck in Hamburg. Für ihn erkundete er die Tierbestände in Nord-Ost-Afrika, übernahm den Tierfang und sorgte für einen sicheren Transport nach Hamburg. Damit sicherte er sich die finanzielle Grundlage für seine eigenen weiteren Exkursionen in Afrika. 

Menges‘ Jagdzüge waren überaus erfolgreich. Er versorgte die Tiere sehr gut und entwickelte besondere Nahrungsmittel für die Jungtiere. Carl Hagenbeck bezeichnete Menges als seinen erfolgreichsten Reisenden, der ihm seltene und interessante Tiere beschaffte und damit wesentlich zum Erfolg der Tierhandlung Hagenbeck beigetragen habe. 

Im Jahre 1887 eröffnete Menges in Triest seine eigene Tierhandlung. Von hier aus verkaufte er seine Tiere in nahezu alle namhaften zoologischen Gärten in ganz Europa, zudem unterhielt er Geschäftskontakte nach Amerika und Australien. Die wilden Tiere waren damals eine große Attraktion, die zum einen bestaunt wurden, aber auch die wissenschaftliche Neugier weckten.

Das gleiche Interesse kam den Menschen aus den fernen Ländern zu, die auf Völkerschauen ihre Lebensgewohnheiten, Rituale und Kämpfe in Tiergärten zeigten. Josef Menges verfügte nicht nur über gute Kenntnisse der Tier- und Pflanzenwelt Afrikas, sondern konnte sich mit den hier lebenden Menschen ohne Dolmetscher verständigen. 

Zunächst war Josef Menges wohl davon überzeugt, dass Völkerschauen die beste Möglichkeit boten, fremde Völker sowie ihre Kultur und Lebensart auf heimischem Boden kennenzulernen.  Zum Problem wurde aber das ungewohnte Klima und das europäische Essen. Das oft nasskalte Wetter führte wiederholt zu ernsthaften Erkrankungen. Daher war für Josef Menges nach der großen Somali-Schau in London (1895) Schluss mit den für alle Teilnehmer strapaziösen Europareisen.

In der nun vorgestellten Publikation über Josef Menges werden sein Lebensweg und seine Arbeit im Rahmen der Zeitgeschichte dargestellt. Menges‘ Reiseberichte zeugen von einer scharfen Beobachtungsgabe und einer genauen Kenntnis von Land und Leuten. Zudem verstand er es, geschickt mit fremden Völkern umzugehen, auch besaß er ein erstaunliches Sprachtalent: Neben Deutsch konnte er Englisch, Französisch und Italienisch, ferner beherrschte er die verschiedensten Idiome afrikanischer Volksstämme.

Ein Glücksgriff für die Autorin war der umfangreiche Nachlass, der aus Menges´ Veröffentlichungen, Reiseaufzeichnungen, Kassenbüchern, Geschäfts- und Privatbriefen besteht, und den die Nachfahren von Josef Menges zur Verfügung stellten. Das Interesse an der Buchvorstellung war erfreulich groß. Auch zwei Ur- und zwei Ururenkelinnen von Josef Menges verfolgten sehr gespannt die Ausführungen von Monika Jung. 

Das Buch ist im Cardamina Verlag unter ISBN 978-3-86424-392-9 erschienen und im Buchhandel oder direkt beim Verlag erhältlich. Es kostet 30 Euro.