Die Kreisverwaltung ist im Bereich „Migration“ gut und breit aufgestellt - Integration mit Leben füllen


Sie kümmern sich im Landkreis Limburg-Weilburg um die Integration: WIR-Fallmanagerin Meliha Delalic, die WIR-Koordinatorinnen Marie Ostermann und Nurcan Adigüzel, Bildungskoordinatorin Laura Schermuly (von links) mit Landrat Manfred Michel (Mitte).

Limburg-Weilburg. Die Verwaltung des Landkreises Limburg-Weilburg beschäftigt sich nicht erst seit heute mit dem Thema  Integration. Denn fast ein Viertel der Bevölkerung des Kreises hat einen sogenannten Migrationshintergrund. Zudem sind in den letzten drei Jahren viele geflüchtete Menschen hierhergekommen. „Als Verwaltung liegt es uns am Herzen, dass sich diese Menschen in unserer Gesellschaft zugehörig, anerkannt, wertgeschätzt und wahrgenommen fühlen. So können gleichberechtigte Chancen für alle ermöglicht werden“, betonen Landrat Manfred Michel und die WIR-Koordinatorinnen Nurcan Adigüzel und Marie Ostermann, Bildungskoordinatorin Laura Schermuly sowie WIR-Fallmanagerin Meliha Delalic in diesem Interview.

1) Wer arbeitet in der Kreisverwaltung aktiv an der Integration?

Landrat Manfred Michel: In unserem Sozialamt gibt es bereits eine Integrationsbeauftragte, eine Kultur- und Integrationsmittlerin sowie einen eigenen Fachdienst für Migration. Dieser kümmert sich um Fragen der Unterbringung, sozialen Betreuung und Leistungsgewährung von Zugewanderten. Zusätzlich dazu werden unsere Mitarbeiter seit einiger Zeit von zwei WIR-Koordinatorinnen, einer Bildungskoordinatorin und einer WIR-Fallmanagerin für Geflüchtete unterstützt. Deren Arbeit ist rein strategisch. Das operative Geschäft, das heißt der unmittelbare Kontakt zu den Geflüchteten, bleibt also weiterhin bei den Sozialarbeitern. Gemeinsam bringen wir unterschiedliche fachliche Kompetenzen mit und bündeln unsere Kräfte, sodass wir ein breites Spektrum an Bedürfnissen von verschiedenen Zielgruppen abdecken können. 

2) Was bedeutet WIR und was machen die WIR-Koordinatorinnen?

Nurcan Adigüzel und Marie Ostermann: Das hessische Landesprogramm WIR fördert die Integrationsmaßnahmen vor Ort. WIR steht also für eine vielfältige Gesellschaft. Als WIR-Koordinatorinnen unterstützen wir die Integration von Migranten, die schon länger in Deutschland leben. Dafür haben wir einen Wegweiser erstellt, der wichtige Anlaufstellen und Ansprechpartner enthält, um sich in unserem Landkreis zurechtzufinden. Im neuen Jahr wird die aktualisierte Auflage erscheinen. Die Broschüre war auch Bestandteil der Willkommenstaschen, die für zugewanderte Bürger im Jahr 2015 an die Städte und Gemeinden verteilt wurden.  Darüber hinaus haben wir die Mitarbeiter des Sozialamts interkulturell geschult. Dadurch fällt es ihnen leichter, sich in die Perspektive von Migranten hineinzuversetzen und sie konnten erarbeiten, wie sie selbst zu einer gelingenden Integration beitragen können. Derzeit erarbeiten die WIR-Koordinatorinnen einen Maßnahmenkatalog, der alle gesammelten Ideen für die weitere Interkulturelle Öffnung des Sozialamts zusammenfasst. In Zusammenarbeit mit anderen Akteuren möchten wir uns im Jahr 2018 der Ausarbeitung eines kreisweiten Integrationskonzepts widmen. 

3) Was sind die Aufgaben der WIR-Fallmanagerin für Geflüchtete

Meliha Delalic: Als WIR-Fallmanagerin möchte ich dazu beitragen, dass die Angebote für Geflüchtete in unserem Landkreis optimiert werden – vor allem in den Bereichen wie Wohnen, Gesundheit und Freizeit. Vieles ist hier seitens der ehrenamtlichen und hauptamtlichen Mitarbeiter schon erreicht worden. Doch die Aufgaben werden nicht weniger, dafür aber anders. Die deutsche Sprache zu beherrschen und Zugänge zum Arbeitsmarkt zu bekommen sind wesentliche Bedingungen gelingender Integration. Darüber hinaus können eine aktive Mitgliedschaft in einem (Sport-)Verein sowie Patenprogramme dazu beitragen, das Miteinander vor Ort zu stärken und den kulturellen und persönlichen Austausch zu fördern. 

Aufgrund meiner eigenen Fluchterfahrung aus Ex-Jugoslawien kenne ich das Gefühl, neu im Land zu sein, die Sprache und Institutionen nicht zu kennen und ein neues Leben zu beginnen. Dieser persönliche Hintergrund prägt meine Arbeit als Fallmanagerin und hilft mir dabei, verschiedene Blickwinkel einzunehmen und mich in die Situation der aktuell Geflüchteten hineinzuversetzen.  

4) Was sind die Aufgaben der Bildungskoordinatorin?

Laura Schermuly: In den letzten Jahren sind sehr viele Bildungsangebote für Geflüchtete in unserem Landkreis entstanden. Bildung beginnt und endet nicht mit der Schule, sie begleitet die Menschen ein Leben lang. Die Bildungsangebote im Landkreis erstrecken sich daher auch vom Kleinkind- bis ins Seniorenalter und sind sehr vielfältig. Meine Aufgabe ist es, diese Angebote zusammenzutragen, für die Öffentlichkeit transparent zu machen und aktuell zu halten. Dazu ist vor kurzem eine eigene Website entstanden: www.ankommen-in-limburg-weilburg.de. Sie soll dazu beitragen, dass sich Geflüchtete sowie Haupt- und Ehrenamtliche in der Flüchtlingshilfe informieren und vernetzen können. Zudem können wir dadurch erkennen, ob noch Bildungsangebote fehlen und diese dann anregen. Für die Zukunft ist geplant, diese Website weiter auszubauen. Neben den Bildungsangeboten sollen auch regelmäßig Veranstaltungshinweise in der Region und weiterführende Informationen rund um das Leben in Deutschland und speziell in Limburg-Weilburg gegeben werden. 

5) Was kostet unseren Kreis das?

Landrat Manfred Michel: Die Projektgelder für die WIR-Koordinatorinnen, die WIR-Fallmanagerin und die Bildungskoordinatorin werden derzeit zum Großteil aus Mitteln des Landes und Bundes bezahlt. Ziel ist es, in dieser Zeit Strukturen zu schaffen, um das Thema Integration nachhaltig in die Regelangebote aufzunehmen und Doppelstrukturen zu vermeiden. 

6) Wie sind wir erreichbar?

Landrat Manfred Michel: Bei Fragen können Sie sich gerne an die WIR-Koordinatorinnen Nurcan Adigüzel und Marie Ostermann (wir-koordination(at)limburg-weilburg.de), die Bildungskoordinatorin Laura Schermuly (l.schermuly(at)limburg-weilburg.de) und die WIR-Fallmanagerin Meliha Delalic (m.delalic(at)limburg-weilburg.de) wenden.