Ein authentischer Gast: Uli Borowka


Stargast: Uli Borowka, Ex-Fußball-Nationalspieler, sprach in Dauborn vor rund 100 Gästen zum Thema Alkoholsucht.

Sein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker konnte Uli Borowka jahrelang verheimlichen. Erst vier Jahre nach seinem Abschied aus der Bundesliga gelang ihm im Jahr 2000 nach viermonatiger, stationärer Therapie der Ausstieg aus der Alkoholsucht. In der Mehrzweckhalle Dauborn las der Ex-Fußballprofi aus seinem Buch „Volle Pulle“. Der Landkreis Limburg-Weilburg hatte die recht gut besuchte Veranstaltung in Zusammenarbeit mit dem Sportkreis Limburg-Weilburg und der Gemeinde Hünfelden organisiert. Und Uli Borowka hielt, was er versprochen hatte: In seiner typisch kompromisslosen Art berichtete er von Alkohol und Fußball, Freunden und Feinden, Enttäuschungen und Unterstützung.

Uli Borowka möchte mit diesen Lesungen für das Thema Alkoholmissbrauch sensibilisieren. Er hat einen Verein zur Suchtprävention gegründet und berät Spieler mit Suchtproblemen. Und dazu besucht Borowka Schulen, Talkshows, Kliniken und auch Gefängnisse. Der ehemalige Nationalspieler und Bundesligaakteur von Borussia Mönchengladbach sowie Werder Bremen zeigt dabei genau den Kampfgeist, den man schon als Fußballer von ihm kannte. „Ich habe keine Lehre und keinen Rat angenommen. Ich war zur damaligen Zeit verpeilt und auch überheblich. Meine frühere Frau und mein damaliger Trainer haben für mich gelogen, wenn ich wieder mal betrunken war“, erzählt Uli Borowka. Aber er hat heute keinen Zweifel mehr daran, dass seine Mitspieler Bescheid wussten, doch die Ursachenforschung hätte man sich laut Borowka damals von Vereinsseite lieber erspart. Zudem stimmte seine Leistung bis Mitte der neunziger Jahre, obwohl er fast täglich eine Kiste Bier und weitere harte Alkoholika wie Wodka und Whiskey zu sich nahm.

„Zunehmende Einsamkeit und die daraus entstehende Leere sowie wachsende Ängste haben meinen Konsum aber immer weiter erhöht. Der Weg eines Suchtkranken geht eben immer weiter nach unten“, so Borowka weiter. Fazit: Seine Frau verließ ihn mit den gemeinsamen Kindern, das Geld war weg, es kam die Verwahrlosung. Und glücklicherweise endete ein Selbstmordversuch nicht tödlich. Erst im Jahr 2000 ließ er sich stationär in einer Suchtklinik behandeln und erkannte die Chance, alkoholfrei neu anzufangen. „Aber Toleranz gegenüber Leuten wie mir, die von der Sucht weggekommen sind, gibt es nicht“, musste er nach eigenen Worten feststellen.  

„Wir als Landkreis haben es uns gemeinsam mit der Gemeinde Hünfelden und weiteren Kooperationspartnern zur Aufgabe gemacht, im Rahmen eines Netzwerkes dem Jugendschutz und der Alkoholprävention insbesondere bei Veranstaltungen mehr Bedeutung beizumessen. Mit der Lesung von Uli Borowka wollten wir neben allgemein Interessierten insbesondere auch Jugendleiter dafür sensibilisieren, für eine effektive Alkoholprävention in ihrem Verein einzutreten“, erläutert Landrat Manfred Michel, um noch anzufügen: „Ich denke, dies ist uns gelungen.“