Der sensible Umgang mit dem Alkohol

Landrat Manfred Michel freut sich auf eine Lesung mit Uli Borowka


Sein Doppelleben als Fußballprofi und Alkoholiker konnte Uli Borowka jahrelang verheimlichen. Erst vier Jahre nach seinem Abschied aus der Bundesliga gelang ihm im Jahr 2000 nach viermonatiger, stationärer Therapie der Ausstieg aus der Alkoholsucht. Der Landkreis Limburg-Weilburg veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Sportkreis Limburg-Weilburg und der Gemeinde Hünfelden am Dienstag, 24. Oktober, 19 Uhr, in der Mehrzweckhalle Dauborn eine Lesung mit dem Ex-Fußballprofi. In seinem Buch berichtet Borowka in seiner typisch kompromisslosen Art von Alkohol und Fußball, Freunden und Feinden, Enttäuschungen und Unterstützung. „Wir als Landkreis haben es uns gemeinsam mit der Gemeinde Hünfelden und weiteren Kooperationspartnern zur Aufgabe gemacht, im Rahmen eines Netzwerkes dem Jugendschutz und der Alkoholprävention insbesondere bei Veranstaltungen mehr Bedeutung beizumessen. Mit der Lesung von Uli Borowka möchten wir neben allgemein Interessierten insbesondere auch Jugendleiter dafür sensibilisieren, für eine effektive Alkoholprävention in ihrem Verein einzutreten“, erläutert Landrat Manfred Michel. Der Eintritt zu dieser Veranstaltung ist frei.

Der Pressesprecher des Landkreises Limburg-Weilburg, Jan Kieserg, hatte vorab bereits die Gelegenheit, im Rahmen eines Interviews mit Uli Borowka zu sprechen:

Herr Borowka, Alkohol und Fußball im Jugendbereich. Widerspricht sich das?

Borowka: Ich trete mit meinem Verein „Suchtprävention und Suchthilfe e.V.“ dafür ein, dass es in diesem Bereich klare Regeln gibt. Das ist eine einfache Geschichte: Alkohol ist Kulturgut und da ist es leider so, dass auch Jugendliche für die Zeit nach Training oder Spiel Alkohol mitbringen. Und dann entsteht schnell ein Gruppenzwang, dem sich jeder unterworfen fühlt. Wer nicht mittrinkt, wird gemobbt. Und das kann doch nicht sein. Ich trete dafür ein, Jugendliche, die ihre eigene Meinung haben und sagen, dass sie keinen Alkohol trinken möchten, in dieser Meinung zu stärken. Das Jugendschutzgesetz spricht doch hier eine klare Sprache: Für Jugendliche unter 16 Jahren herrscht in Deutschland Alkoholverbot.

Was können Vereine und Jugendleiter zur Alkoholprävention tun?

Wir müssen die Erwachsenen wieder dazu bringen, Vorbilder für die Kinder und Jugendlichen zu sein. Kinder nehmen Dinge, die sie bei Erwachsenen beobachten, unglaublich schnell an und machen das nach. Es kann doch nicht sein, dass bei einem Fußball-Turnier für F-Junioren vier bis sechs Bierbuden aufgebaut werden und die Eltern mit einer Bierpulle in der Hand am Spielfeldrand stehen. Das sehen auch die Kinder und nehmen es wahr. Um das klarzustellen: Ich möchte nichts verbieten, aber ich möchte den Menschen klar machen, was sie ihren Kindern mit einem solchen Verhalten antun.

Welche Rolle spielten ihre Erfahrungen im Jugendfußball für ihre spätere Alkoholkrankheit?

Das war damals schon so, wie es auch heute ist. Wir hatten und haben da in Deutschland massive Probleme, da die Eltern schon damals während unserer Spiele Alkohol am Spielfeldrand getrunken haben. Natürlich habe auch ich das registriert, und das war unter dem Strich sicher nicht gut für mich.

Was war für Sie entscheidend für den Ausstieg aus der Alkoholabhängigkeit?

Ich habe damals als Profifußballer täglich eine Kiste Bier sowie jeweils eine Flasche Whiskey und Wodka getrunken. Es war letztendlich ein Prozess, der mich zu der Erkenntnis geführt hat, jetzt komplett aufhören zu müssen. Das Aha-Erlebnis aber hatte ich definitiv erst in der Entzugsklinik, als ich Menschen sah, die in ihrem Leben derart dem Alkohol zugesprochen hatten, dass sie kurz davor waren, daran zu sterben. Diese Eindrücke haben mich sensibilisiert und geprägt. Offiziell haben wir in Deutschland derzeit 1,5 Millionen Alkoholiker. Ich denke, es sind mindestens acht Millionen. Ich habe selbst vieles falsch gemacht und weiß daher, wovon ich rede.