Heimatkundlertreffen des Landkreises Limburg-Weilburg in Löhnberg

Was das Löhnberger Urkundenbuch so alles verrät


Der Leiter des Referates für Kunst und Kultur der Kreisverwaltung, Bernd Kexel (links), dankte Löhnbergs Bürgermeister Dr. Frank Schmidt für dessen Vortrag.

Klaus Habel (links) und Dr. Bernhard Feuerstein präsentierten eine Datenbank zum 30-jährigen Krieg.

Das neue Jahrbuch des Landkreises Limburg-Weilburg fand beim Erstverkauf wieder reißenden Absatz.

Ein lebendiges und überaus anschauliches Referat über das „Löhnberger Urkundenbuch“, die Präsentation einer Datenbank zu den Schrecken des 30-jährigen Krieges und die Vorstellung des neuen Jahrbuches bildeten die Schwerpunkte des Treffens der Heimatkundlerinnen und Heimatkundler des Landkreises Limburg-Weilburg im Bürgerhaus „Lilie“ in Löhnberg.

Löhnberg war im ausgehenden Mittelalter Teil der Reichsgeschichte. Das berichtete Bürgermeister Dr. Frank Schmidt in seinem Vortrag zum gut besuchten Jahrestreffen im schön dekorierten Bürgerhaus. Dr. Schmidt blickte in seinem Vortrag über das „Löhnberger Urkundenbuch“ in die Zeit der erstmaligen Erwähnung der vier Löhnberger Ortsteile zurück. Urteile, Verträge und Abmachungen aus der jeweiligen Zeit wurden dem staunenden Publikum präsentiert. Da wurden Güter und Orte samt Einwohnerinnen und Einwohner verkauft oder verpfändet, Nachkommen enterbt und Besitztümer der Kirche zur Erlangung des eigenen Seelenheils vermacht. Lehen wurden übertragen, Leibeigene getauscht oder das eigene Einkommen verschenkt, um sich ein ruhiges Leben zu erkaufen.

Zweimal diente Löhnberg als Teil einer Mitgift, ohne die Jutta von Diez und Anna von Katzenelnbogen nicht „unter die Haube“ gekommen wären. Ebenfalls zweimal war Löhnberg Teil der Reichsgeschichte: So versuchte der Gegenkönig Friedrich III. sich mit wohlwollenden Urkunden gegen König Ludwig IV. durchzusetzen. 1356 erlaubte Adelheid von Nassau dem Landgrafen Heinrich II. von Hessen, alle ihre Schlösser besetzen zu dürfen. Die letzte Urkunde aus dem Jahr 1590 erinnert an einen nachbarschaftlichen Konflikt.

König Rudolf II. musste einschreiten, um Albrecht von Nassau und Saarbrücken in die Schranken zu weisen, weil er mit einigen Weilburgern Löhnberg überfallen, den Ort geplündert und Menschen von dort als Gefangene abgeführt hatte. Der König sorgte dafür, dass alle wieder freigelassen und der Graf in Regress genommen wurde. „Diese Lektüre ist das Ergebnis einiger arbeitsreicher Jahre von Birgit Dauer, Andreas Martens, Rudolf Weber, Günter Kirchhöfer und Dr. Julius Leonhard“, so Dr. Frank Schmidt abschließend unter großem Applaus der Gäste.

Eine Datenbank über die Schrecken des 30-jährigen Krieges im Lahngau stellten Klaus Habel vom Geschichtsverein Frickhofen und Dr. Bernhard Feuerstein (Villmar) vom Elzer Geschichts- und Museumsverein vor. Bürger, die mitarbeiten wollen, dürfen sich gerne beteiligen, Kontakt ist unter den Mailadressen habel-klaus(at)t-online.de und feuerstb(at)mpi-hd.mpg.de möglich.

Das Jahrbuch 2018 präsentierte der Leiter des Referates Kunst und Kultur der Kreisverwaltung Limburg-Weilburg, Bernd Kexel. Die Autorinnen und Autoren stellen darin historische Ereignisse vor, die bis heute spürbare Auswirkungen haben: die Gründung des DRK vor 130 und der Pallottiner in Limburg vor 125 Jahren. Seit 50 Jahren betreiben der Landkreis und die Stadt gemeinsam eine Bücherei in Weilburg. Auch das Ende des 1. Weltkrieges vor 100 Jahren und die Auswirkungen auf unsere Heimat werden thematisiert. Zum 50. Mal jährt sich schließlich die 68er-Bewegung, aus der die Terroristin Ulrike Meinhof hervorging, die einst das Gymnasium Philippinum in Weilburg besuchte. Ein Höhepunkt für Januar 2018 ist „Die Expedition Custine kam bis nach Limburg“, eine Ausstellung über die „gescheiterte Freiheit 1792/93“, die im Foyer der Kreissparkasse in Limburg zu sehen sein wird.