„Durch dick & dünn“ oder der Hunger nach Anerkennung

Jugendtheater zum Thema „Essstörungen“ zu Gast an weiterführenden Schulen im Landkreis Limburg-Weilburg


Insgesamt 650 Schülerinnen und Schüler verfolgen gespannt das Theaterstück „Durch dick & dünn“ zum schwierigen Thema „Essstörungen“.

Dem Jugendbildungswerk Limburg-Weilburg ist es ein weiteres Mal gelungen, die Theatergruppe „theaterspiel“ aus Witten in den Landkreis Limburg-Weilburg zu holen. 

Das Thema „Essstörungen“ ist ein eher „stilles Thema“. Es zeigt sich oft nicht so offensichtlich und betrifft doch gerade viele Jugendliche, aber auch Erwachsene.

Die Ursachen von Essstörungen als Krankheit unserer Zeit sind vielfältig: sozialkulturelle Entwicklungen gehen mit hohen Rollen-, Leistungs-, und Beziehungserwartungen, in Verbindung mit extremen, inszenierten Schlankheits- und Schönheitsidealen in den Medien einher. 

Vor allem junge Menschen erleben auf der Suche nach ihrer eigenen Identität, Überforderung und Orientierungslosigkeit, suchen vor allem nach Liebe und Anerkennung. 

Das Bühnenbild ist für das schwierige Thema denkbar einfach gehalten: 

Ein Tisch mit Obstschale und zwei Stühle links und rechts.

Nina (Beate Albrecht), die extrovertierte Erfolgsfrau und Lisa (Kirsten Mohri), die eher Zurückhaltende, treffen sich bei einem Casting für eine TV-Soap. Beide warten auf die Entscheidung der Jury…und merken dabei, dass sie sich aus der Schule kennen. Schon damals waren sie Rivalinnen. Sie kommen ins Gespräch und aus dem oberflächlichen Small-Talk wird ein ernstes Rollenspiel. Es geht um Konkurrenz im Beruf, Diäten und Modemagazine mit spindeldürren Models, Themen die Mädchen häufig in den Teufelskreis der Essstörung treiben. Aber auch die Jungs sind immer stärker vom Thema betroffen und die einschlägigen Männermagazine vermitteln ganz klar, wie „gestählt“ und muskulös der Körper eines Mannes sein sollte.

Immer wieder wird das Spiel der Schauspielerinnen von einer Mädchenstimme aus dem Hintergrund unterbrochen: „Was ich zuletzt gegessen habe – ein halbes Knäckebrot über den Tag verteilt…manchmal habe ich auch eine Mahlzeit ausgelassen!“ Stück für Stück erfahren die Zuschauer, dass sie im Krankenhaus liegt und dort künstlich ernährt wird.

Während des Rollenspiels bröckelt dann auch die Fassade der toughen Karrierefrau Nina. Verzweifelt, mit leiser Stimme gibt sie zu, dass ihre Tochter an Magersucht leidet…sie ist die Mädchenstimme aus dem Hintergrund.

Die Schülerinnen und Schüler der Marienschule, Limburg, der Jakob-Mankel-Schule, Weilburg, der Freiherr-vom-Stein-Schule, Hünfelden und der Fürst-Johann-Ludwig-Schule, Hadamar sind sehr aufmerksam und interessiert bei der Sache und im anschließenden Nachgespräch mit den beiden Schauspielerinnen zeigt sich immer wieder, welche Erfahrungen Einzelne mit der Thematik bereits haben und für wie viele der regelmäßige Gang ins Fitnessstudio zum Alltag gehört – oft unterstützt durch einschlägige Zusatz-Präparate, die beim Kalorienverbrauch oder beim Muskelaufbau helfen sollen. Gefährlich wird es dann, wenn das Gewicht immer mehr sinkt und sich die Gedanken nur noch um das Thema „Essen“ und „Fitness“ drehen.

Wer weitere Fragen zum Thema hat, kann sich entweder an Beratungsstellen im Landkreis Limburg-Weilburg wenden (Fachstelle für Suchtprävention Limburg e.V. oder Pro Familia e.V. Limburg) oder direkt an „Balance – Beratung und Therapie bei Essstörungen e.V.“ in Frankfurt a.M.

Weitere Informationen zu Veranstaltungen des Jugendbildungswerkes Limburg-Weilburg finden Sie auch auf der Homepage www.das-jbw.de.