Thomas Ganter malt Wohnsitzlosen im Stil der Alten Meister

Internationaler Preisträger zeigt außergewöhnliche Werkschau im Limburger Kreishaus


Thomas Ganter zwischen zwei Selbstportraits.

Thomas Ganter, eingerahmt von seinen Eltern Hedi und Otto Ganter, rechts Landrat Michel.

Thomas Ganter zeigt in einer Werkschau einen Querschnitt seiner Gemälde und Zeichnungen im Limburger Kreishaus. Eine überaus erfreuliche Nachricht für alle Kunstfreunde in der Region, die auch im Zentrum der Vernissage stand. Entsprechend groß war die Freude bei Landrat Manfred Michel und einer überaus großen Anzahl von begeisterten Besucherinnen und Besuchern. Der in Limburg geborene und in Elz-Malmeneich aufgewachsene Künstler hat vor zwei Jahren den renommierten Kunstpreis „BP Portrait Award“ der National Portrait Gallery in London gewonnen. Er setzte sich mit seinem Bild „Mann mit einer karierten Decke“ gegen 2.377 Konkurrenten aus 71 Ländern durch. Damit erlangte der junge Künstler weltweites Ansehen. Die ungewöhnlichen Werke dieses ungewöhnlichen Menschen mit nachdenklichen Themen waren bereits in zahlreichen internationalen Ausstellungen zu sehen und jetzt auch bis Ende Oktober in seinem Heimatkreis.

Thomas Ganter, 42 Jahre jung, gelernter Lithograph, autodidaktischer und höchstprämierter Ausnahmekünstler, stellt auf drei Etagen seine Werke vor, die aus dem üblichen Rahmen fallen und ein mehrmaliges Betrachten erfordern. Schon sehr früh hatte er seine Leidenschaft für das Schaffen und Wirken alter Künstler entdeckt, wie Landrat Michel erläuterte. Ihn interessierte schon seit seiner Kindheit die Malweise klassisch arbeitender Maler. So ist es auch zu erklären, dass er sich auf diverse Techniken spezialisiert hat, um seine Werke im klassischen Stil mit Motiven aus der Gegenwart zu verbinden. Einen äußerst bescheiden wirkenden jungen Mann wie Thomas Ganter, der auf eine unglaublich künstlerisch erfolgreiche Karriere dank seines zeichnerischen Talentes zurückblicken kann, trifft man nicht alle Tage. Landrat Michel zeigte sich dann auch etwas Stolz, in die außergewöhnliche Ausstellung einzuführen, denn Thomas Ganter ist ein Freund seines ältesten Sohnes, und er schätzt die Arbeiten Ganters sehr.

„Karel hat mich fasziniert“, betonte Thomas Ganter in mehreren Interviews in vielen großen deutschen Zeitungen. Denn „Karel putzte jeden Tag Autoscheiben an der gleichen Straßenecke in Frankfurt. Er, Karel, drängte sich den Fahrern nie auf, nahm nur Geld an, wenn es ihm geboten wurde“. Thomas Ganter wusste sofort, jener Karel ist etwas Besonderes und wollte den Frankfurter Obdachlosen, der seit vielen Jahren an der Ecke Stresemannallee-Gartenstraße Autofenster Vorbeifahrender an der roten Ampel vom Fliegendreck befreit, malen. „Ich wollte Karel zum ‚Helden‘ des Gemäldes machen. Ich wollte seine Persönlichkeit zum Ausdruck bringen. Für mich verdient jeder Mensch Respekt und Fürsorge“, sagt Ganter. Aber er hatte nie daran gedacht, dass diese seltsame Freundschaft sein Leben verändern würde. Das Gemälde von Karel, dem obdachlosen Fensterputzer auf der Kreuzung, an dem er sechs Monate arbeitete, bescherte ihm die eingangs genannte besondere Auszeichnung, vergleichbar mit einem Oscar der Kunstwelt.

Der Preis führte außerdem zu einem Auftrag der Bill and Melinda Gates Foundation für die Kampagne „The Art of Saving a Life“. Das Gemälde befindet sich nun im WHO-Gebäude in Genf. In den Kopf gestiegen ist dem sympathischen Mann diese Ehre nicht. Die Besucher seiner Bildpräsentation, darunter viele Freunde, Verwandte und Bekannte, wissen ihn und seine Kunst zu schätzen und freuten sich an den treffenden Portraits, den gezeichneten Bachläufen, den gemalten Blicken über Dachlandschaften, den reizvollen Naturdarstellungen und natürlich am Bild von  Karel, dem Mann in der karierten Decke, der, wie eine Ikone, mit solider Ehrfurcht betrachtet wird.

Thomas Ganters möchte mit seinen Werken den Betrachter dazu animieren, über die Koexistenz von Armut und Reichtum in unserer Gesellschaft nachzudenken. Seine Bilder sind inzwischen in zahlreichen internationalen Ausstellungen präsent. Seinen Lebensunterhalt verdient Thomas Ganter als Illustrator in seiner Firma KAWOM, Konzeption & Animation Partnergesellschaft, mit Hauptsitz in Wiesbaden.

Er arbeitet gegenwärtig an mehreren privaten Aufträgen und wartete noch auf eine Beauftragung von der National Portrait Gallery in London, die mit der Preisverleihung verbunden ist. Das wird eine spannende Geschichte, wie er mir verraten hat. Denn das Londoner Museum wird ihm den Namen eines berühmten englischen Menschen aus Politik, Wissenschaft oder Kunst nennen, den Ganter dann portraitiert. Er ist sehr neugierig, wer das sein wird. „Vielleicht soll er ja die Queen portraitieren“, orakelte Landrat Michel mit einem Augenzwinkern.

Die außergewöhnliche Ausstellung mit Gemälden, Aquarellen und Zeichnungen von Thomas Ganter im Kreishaus Limburg sind während der Öffnungszeiten montags bis donnerstags von 8:00 Uhr bis 17:00 Uhr und freitags von 8:00 Uhr bis 13:00 Uhr zu besichtigen.